Prinzipiell interessiere ich mich nicht für den immer gleichen Text der Analysten. Der Gewinn pro Aktie läge bei x.y$… oh nein, wir haben uns um 40% verrechnet. Der Umsatz wird auf ca X Mrd. $ geschätzt… oops, waren doch 2 mehr oder weniger. Das einzige, was noch unverständlicher als der Umstand ist, dass ihnen überhaupt jemand Glauben schenkt: Wie können solche Menschen ihre professionelle Position behaupten? Jeder normale Mitarbeiter wird gefeuert, baut er mehr als zwei Mal derartigen Mist. Aber schon die Banken zeigen, dass die schlichte Verfügung über Geld bereits die Arroganz impliziert, damit machen zu dürfen, wonach dem launischen Investment-Banker gerade der Sinn steht – wen interessiert schon, dass eine arme vierköpfige Familie mit hart erspartem Geld eventuell durch eine ihnen aufgedrehte Anlage für eine seit fünf Jahren überfällige Renovierung sparen möchte?
Schluss damit… und Schluss mit dem Gejammer. Die Finanzkrise ist hausgemacht – und wer beweist das wieder einmal allen? Genau, der Apfel. Die gestern vorgestellten Quartalsergebnisse zeigen deutlich, dass die Forschung und Vermarktung von innovativen Produkten für den Massenmarkt sehr wohl Zukunft hat. Warum muss BMW in die Kurzarbeit? Warum brechen die Ergebnisse von Elektronikherstellern ein? Weil der Kunde von gestern auf heute kein Geld mehr dafür hat? Nein! Weil der Kunde nun etwas mehr auf sein Geld achtet – und es nicht mehr einsieht, für 30.000€ einen BMW zu kaufen, bei dem das Lenkgrad gerade mal so noch zur Grundausstattung gehört. Da könnten nun alle Billigproduzenten der Welt einen Freudenschrei zum Himmel schicken, doch nicht so schnell! Was hilft das günstigste Produkt, wenn es nach zwei Jahren Kosten verursacht oder gleich seinen Dienst verweigert? Nichts. Doch nun kommt der Schlag ins Gesicht der Wirtschaft: Auch das hat der Kunde inzwischen begriffen. Wie sonst lassen sich solche Fakten erklären?
1. Finanzquartal 2009 (Oktober bis Dezember 2008)
- bestes “Weihnachtsquartal” und damit bestes Quartal seit Firmengeschichte, sowohl in Umsatz als auch in Gewinn
- Umsatz: 10.17 Mrd. USD (5.9% Zuwachs zum VJQ)
- Gewinn: 1.61 Mrd. USD (1.8% Zuwachs zum VJQ)
- Gewinn pro Aktie: 1.78 USD
- Verkaufte Macs: 2.524.000 (9% Zuwachs zum VJQ)
- Verkaufte iPods: 22,727,000 (3% Zuwachs zum VJQ)
- Verkaufte iPhones: 4.363.000 (88% Zuwachs zum VJQ)
“Unsere herausragenden Ergebnisse haben einen zusätzlichen Barmittelbestand von 3,6 Milliarden US-Dollar im letzten Quartal generiert. Wir erwarten für das laufende zweite Fiskalquartal einen Umsatz zwischen 7,6 Milliarden und 8 Milliarden Dollar bzw. zwischen 0,90 und 1,00 US-Dollar pro verwässerter Aktie.” – Peter Oppenheimer, Finanzchef von Apple Inc.
Dies zeigt, dass Kunden für Qualität noch immer Geld aufbringen möchten – in einem Rahmen, der ihnen möglich ist. Doch genau diesen Rahmen gilt es zu nutzen, und eben hier haben die Unternehmen in der Vergangenheit gepatzt. Schnell auszumerzen ist dies nicht. Wer vor fünf Jahren einen sieben Jahre alten Opel mit durchgerostetem Rahmen hatte, den werden 0,0%-Finanzierung, Rabatte und geschenkte Kundendienste auch nicht zum Kauf eines weiteren motivieren.
Ein Schlüssen zum Erfolg ist sicher auch die Apple-Philosophie. In den 25 Jahren Firmengeschichte ware schon die ein oder andere Krise zu überstehen. Was wurde dagegen unternommen? Alles an liquiden Mitteln wurde in die Produktforschung gesteckt, um pünktlich zum Aufschwung innovative Produkte auf den Markt bringen zu können, von dessen Kauf der Kunde nicht nur Geld verliert, sondern einen echten Nutzen als qualitativ hochwertigen Gegenwert erhält. In dieser Zeit besaß aber auch keine Krise die aktuellen Ausmaße – doch Apple hatte auch noch nie einen derart hohen Bestand an Finanzmitteln. Wir dürfen uns also auf die Zukunft freuen, denn Apple heult nicht – heulen bringt nichts. Der kleine Hoffnungsschimmer einer abdankenden Zeit der reinen Kennzahlenbeurteilung eines jeden Managements mag aufflackern, aber warum sollten Mensch und Wirtschaft auch etwas lernen?

Kommentare